Kritik an Corona-Demos: “Aber nicht so”

“Unverantwortlich”, “zynisch”, “gefährlicher Blödsinn”: Von Seiten der Politik wird harsche Kritik an den Protesten von Corona-Gegnern in Berlin laut. Auch Bundesgesundheitsminister Spahn zeigte wenig Verständnis für die Demonstranten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat den Berliner Protestzug gegen staatliche Corona-Beschränkungen kritisiert. “Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so”, schrieb er auf Twitter.

Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken dienten dem Schutz aller. Die Pandemie sei nur “mit Vernunft, Ausdauer und Teamgeist” zu meistern. “Je verantwortlicher wir alle im Alltag miteinander umgehen, desto mehr Normalität ist trotz Corona möglich”, betonte Spahn.

Esken und Heil nennen Proteste “unverantwortlich”

Auch die SPD-Vorsitzende Saskia Esken übte harsche Kritik an den Protesten. “Tausende #Covidioten feiern sich in Berlin als ‘die zweite Welle’, ohne Abstand, ohne Maske”, schrieb sie auf Twitter. “Sie gefährden damit nicht nur unsere Gesundheit, sie gefährden unsere Erfolge gegen die Pandemie und für die Belebung von Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft.” Dies sei unverantwortlich.

Ähnlich äußerte sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. “Angesichts der neuen Infektionszahlen finde ich diese Anti-Hygiene-Demo in Berlin, in der auch Neonazis mitmarschieren, hochgradig abstoßend und unverantwortlich”, schrieb er auf Twitter.

“Gefährlicher Blödsinn”

Auch der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha ging mit den Demonstranten hart ins Gericht. Er halte das in der jetzigen Phase für “zynisch und verantwortungslos”, sagte der Grünen-Politiker der Nachrichtenagentur dpa.

Brandenburgs CDU-Landtagsfraktionschef Jan Redmann hatte ebenfalls wenig Verständnis für die Demonstranten. “Diesen gefährlichen Blödsinn können wir uns nicht leisten”, schrieb er auf Twitter und verwies auf die steigenden Infektionszahlen.

Demonstranten verstießen gegen Corona-Auflagen

In Berlin demonstrierten Tausende Menschen gegen die Corona-Auflagen. Bei einem Demonstrationszug durch die Mitte der Hauptstadt versammelten sich laut Polizei bis zu 17.000 Menschen, bei einer anschließenden Kundgebung ging sie von 20.000 Teilnehmern aus. Die Demonstranten forderten das Ende aller Auflagen, sie hielten kaum Abstand, viele trugen keinen Mund-Nasen-Schutz.

Die Polizei kündigte an, die Kundgebung aufzulösen, weil die Veranstalter nicht in der Lage gewesen seien, die Hygienemaßnahmen einzuhalten. Die Beamten besetzten die Veranstaltungsbühne, mehrere Vertreter der Veranstalter wurden unter Protestrufen von der Bühne geholt. Viele Teilnehmer wanderten ab oder verteilten sich auf den Wiesen des angrenzenden Tierparks.

Steigende Infektionszahlen in Deutschland

Seit Mitte Juli zeigen die Coronavirus-Fallzahlen in Deutschland wieder eine schneller steigende Tendenz. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) bekannt gab, meldeten die Gesundheitsämter innerhalb eines Tages 955 neue Corona-Infektionen (Datenstand 1.8., 0.00 Uhr). Dies ist die höchste gemeldete tägliche Fallzahl seit Anfang Mai – abgesehen vom lokalen Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies Mitte Juni.



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Dominik

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